Sind Kohlenhydrate Schuld an Migräne und Übergewicht?
(11. April 2003) Ernährungswissenschaftler suchen seit Jahrzehnten fieberhaft nach der Diät oder Ernährungsweise, die ein Leben lang Gesundheit, Schlankheit und Fitness verspricht. Parallel zu dieser einen großen – vielleicht illusionären - Bemühung, gedeihen auch Esstheorien, die bei ganz bestimmten Krankheitsbildern helfen wollen.
So findet derzeit in Selbsthilfeforen im Internet eine „Migränediät“ einige Beachtung, die zufällig den neuesten Ernährungserkenntnissen entspricht. Dabei sind die Einsichten von Dr. Ewald Riegler, einem Wiener Internisten, mehr als 20 Jahre alt. Seine Theorie: Menschen bekommen Migräneanfälle, weil ihre Gefäßmuskulatur unterernährt ist.
Das passiert nach Ansicht des Mediziners, wenn der Körper zu viele „schnelle“ Kohlenhydrate aufgenommen hat. Um schnell verbrennbare Kohlenhydrate wie Zucker, Kartoffeln oder Karotten zu verdauen, muss die Bauchspeicheldrüse ad hoc viel Insulin produzieren, um den Zucker den Zellen (unter anderem in der Gefäßmuskulatur) zuzuführen.
Das klappt jedoch nicht. Dr. Riegler beschreibt das Bild einer offenen Zellen-Tür, vor der sich 10.000 Insulin-Zucker-Teilchen befinden und sich gegenseitig zertreten, denn nur zehn von ihnen passen pro Minute in die Zelle. Die Folge: Die Zelle bekommt gar nichts und krampft.
Dr. Rieglers Diät empfiehlt Migränikern, zunächst nur Fleisch, Fisch und Rohkost-Salate zu essen. Bei Kopfschmerzen sollen die Betroffenen solange Äpfel („langsame“ Kohlenhydrate) essen, bis die Attacke vorbei sei.
Ein „Nebeneffekt“ des beschriebenen Unterzuckerungszustandes: Weil der Zucker nicht dort ankommt, wo er gebraucht wird, verwandelt der Körper ihn in Fett. Und das wird eingelagert. Das sehen mittlerweile auch viele Ernährungsexperten so und ziehen folgenden Schluss: Nicht Fett macht fett, sondern Kohlehydrate sind schuld am Übergewicht.
Drei große Studien in den USA, darunter die renomierte „Nurses´ Health Study“ haben gezeigt, dass ein hoher Fettkonsum das Risiko für Herzkranheiten nicht erhöht, sondern umgekehrt, dass der Verzicht auf tierische Fette ein doppeltes Schlaganfallrisiko mit sich bringt. Inzwischen ist auch bei der Geld gebenden, obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde „der Groschen gefallen“: Die National Insitituts of Health fördern nun eine Vergleichsuntersuchung zwischen kohlenhydratarmer und fettarmer Ernährung.
Auf die Förderanträge der Havard-Universität, die seit fünf Jahren übergewichtige Kinder mit einer extrem kohlenhydratarmen Diät erfolgreich behandelt, reagierte die Behörde lange Zeit überhaupt nicht. Jetzt scheint das amerikanische Anti-Fett-Dogma ins Wanken zu kommen. NH
Quellen: Weltwoche und „Dr. Riegler´s Migränediät“, Dr. Ewald Riegler, Verlag Kremayr & Scheriau
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