Herz-OP gegen Migräne?

Kleiner Organdefekt kann Kopfschmerz auslösen

(15. September 2003) Ein weit verbreiteter Herzfehler kann einer neuen Schweizer Studie zufolge Migräne verursachen. Nach Angaben des Berner Arztes Stephan Windecker leidet jeder fünfte Mensch an einem „Loch im Herzen“, auch persistentes Foramen ovale genannt. Es tritt infolge einer unvollkommenen Entwicklung des Herzens beim Neugeborenen auf.

Vor der Geburt ermöglicht die Öffnung in der Scheidewand der Herzvorhöfe den Blutaustausch zwischen den beiden Vorhofkammern. Normalerweise schließt sich das Loch bei der Geburt von selbst, da nun sauerstoffarmes Blut aus dem Körper von sauerstoffreichem Blut aus den Lungen getrennt werden muss. In einigen Fällen bleibt jedoch eine kleine Öffnung zurück, so dass sich das Blut weiterhin vermischt.

Bei Personen mit diesem Defekt erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall oder Migräne zu bekommen. Wird das Loch mit Hilfe eines schirmähnlichen Ersatzteiles geschlossen, geht auch die Migräne zurück. "Wir haben beobachtet, dass sich durch das Schließen dieses kleinen Herzfehlers zur Vorbeugung eines Schlaganfalls überraschenderweise auch das Auftreten von Migräne-Attacken reduzierte", berichtete Windecker auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Cardiology in Wien.

Der Arzt und seine Kollegen vom Universitätsklinikum Bern untersuchten 215 Patienten, bei denen nach einem Schlaganfall das Foramen ovale geschlossen wurde. In Umfragen gab rund ein Viertel der Betroffenen an, im Jahr vor dem Schlaganfall an Migräne gelitten zu haben – ein zweimal so hoher Anteil wie in der restlichen Bevölkerung. Nachdem der Herzfehler behoben wurde, gingen bei 80 Prozent der Patienten alle Formen von Migräne, auch die schwere Form der Migräne mit Aura, zurück.

Die Forscher vermuten, dass kleine Blutgerinnsel durch das Loch im Herzen ins Gehirn gelangen und dort Migräneattacken auslösen könnten. Bei Menschen ohne Herzfehler würden sie zuvor durch die Lunge abgefangen. Auch wenn weitere Studien noch ausstehen, gab sich Windecker zuversichtlich, mit einem kleinen Eingriff am Herzen Patienten mit schweren Formen von Migräne behandeln zu können. (jr)

Quelle: New Scientist





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