Vorerst verworfen: Stufentherapie bei Migräneattacken

Experten raten bei Bedarf gleich zu stärkeren Medikamenten

(01. September 2003) Kurswechsel in der Behandlungsmethodik von Migräne: Galt bis vor kurzem die Stufentherapie noch als empfehlenswert, raten Experten und Mediziner nun gleich dazu, das jeweils wirksamste und stärkste Medikament einzusetzen.

Auf einem Symposium der Firma Berlin-Chemie erklärte Professor Gunther Haag aus Königsfeld die Stufentherapie für überholt. Denn beginnt der Arzt die Migränebehandlung mit leichteren Medikamenten, wie Analgetika (Schmerzmitteln) oder nichtsteroidalen Antirheumatika, leiden die Patienten durchschnittlich länger als nötig an den Schmerzattacken. Laut Gunther Haag sei es sinnlos und kontraproduktiv, mit leichteren Mitteln zu beginnen. So habe der Schmerz mehr Zeit, sich als Erinnerungsspur im neurologischen Netz des Körpers einzugraben.

Gerade bei mittleren und schweren Migräneattacken wirken die gängigen Analgetika nicht. Auch die Fachverbände Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfehlen die hochwirksamen Triptane als Wirkstoffgruppe erster Wahl. Im Vergleich mit den früher häufig verwendeten Ergotamin-Präparaten sind Triptane wesentlich wirksamer und zeigen weniger Nebenwirkungen.

Haag ging auch auf die Nachteile ein: Bei etlichen Triptanen bestünde bei Einnahme ein 30- bis 40-prozentiges Risiko eines Wiederkehr-Kopfschmerzes, die so genannte „Recurrence“. Bei neuesten Mitteln, wie Frovatriptan, sei dieses Risiko auf bis zu 17 Prozent reduziert worden.

Analgetika wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure werden hingegen bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken in ausreichender Dosierung (1000mg) weiter empfohlen. Die nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen (600 bis 800 mg) oder Diclofenac (50 bis 100 mg) sollten als Brause- oder Kautablette eingenommen werden. (kW)
Quelle: Ärzte Zeitung

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